Sie saßen sich gegenüber, wie sie es seit Jahren taten.
Am gleichen Tisch. Mit den gleichen Tassen.
Und doch war etwas verrutscht.

Es war kein Knall gewesen. Kein Drama.
Nur ein Satz, der zu früh kam oder zu spät:
„Es ist etwas passiert.“

Früher hätte sie gewusst, was das bedeutet.
Ein Wort, ein Schnitt, eine Entscheidung.
Fremdgehen – das Ende. Punkt.

Aber heute saß sie da und merkte,
dass die alten Regeln nicht mehr griffen.
Nicht, weil es weniger weh tat.
Sondern weil die Wirklichkeit komplizierter geworden war.

Sie dachte an all die Jahre dazwischen.
An das Funktionieren. An das Schweigen.
An die Nähe, die irgendwann selbstverständlich wurde
und genau deshalb verschwand.

Was verletzt sie gerade mehr?
Der Moment mit einer anderen Person –
oder die vielen Abende davor,
an denen niemand wirklich da war?

Verzeihen fühlte sich plötzlich nicht wie Schwäche an.
Aber Trennen auch nicht wie Stärke.
Beides waren Wege.
Beide taten weh.

Vielleicht ist Fremdgehen kein Trennungsgrund.
Vielleicht ist es ein Spiegel.
Einer, den man nicht gesucht hat,
aber nicht mehr ignorieren kann.

Am Ende blieb keine große Antwort.
Nur eine ehrliche Frage,
die zwischen ihnen lag wie etwas Zerbrechliches:

Gehen wir jetzt auseinander,
oder schauen wir zum ersten Mal wirklich hin?

Und vielleicht ist genau das der Punkt.