Manchmal sieht man einen Menschen einmal und mag ihn.

Nicht, weil alles perfekt ist.

Nicht, weil man schon weiß, wer dieser Mensch wirklich ist.

Und schon gar nicht, weil man weiß, wohin das irgendwann führen könnte.

Man mag ihn einfach.

Und dann sieht man irgendwann ein Bild von diesem Menschen im WhatsApp-Status und denkt sich:

Warum eigentlich ein Filter?

Warum verändert ein bildhübscher Mensch sein Gesicht, seine Haut, das Licht, vielleicht sogar die kleinen Ecken und Kanten, die einem selbst überhaupt nicht negativ aufgefallen sind?

Vielleicht ist es Schutz.

Ein Filter schafft ein kleines bisschen Abstand zwischen dem eigenen Ich und den Blicken der anderen. Wenn jemand das Bild nicht schön findet, war es schließlich nicht ganz das echte Ich, das dort zu sehen war.

Vielleicht ist es Unsicherheit.

Wir selbst kennen jede Stelle in unserem Gesicht. Jeden Winkel, den wir nicht mögen. Jede Falte, jeden Schatten, jede vermeintliche Unperfektheit. Dinge, die ein anderer Mensch vielleicht überhaupt nicht sieht – oder sogar genau deshalb schön findet, weil sie zu diesem Menschen gehören.

Vielleicht ist es aber auch viel banaler.

Die Technik gibt uns diese Möglichkeiten inzwischen einfach in die Hand. Ein Fingertipp und die Haut wird glatter, die Farben kräftiger, das Licht wärmer. Wenn die Funktion sowieso da ist, benutzt man sie eben. Ohne große Gedanken darüber, was man damit eigentlich verändert.

Vielleicht ist es von allem ein bisschen.

Ich frage mich nur manchmal, ob wir dabei nicht etwas Merkwürdiges gelernt haben:

Wir wollen gesehen werden – und verstecken uns gleichzeitig.

Dabei sind es vielleicht gerade die Ecken und Kanten, wegen denen jemand nach einer einzigen Begegnung nach Hause geht und denkt:

Diesen Menschen mag ich.

Nicht die perfekte Version.

Nicht die gefilterte.

Einfach diesen Menschen.

Und vielleicht ist genau das das Schöne am Kennenlernen.

Man weiß noch nicht, wohin es führt.

Aber man darf langsam herausfinden, wer hinter all den Filtern steckt – den digitalen und den anderen.