Und mit dieser seltsamen Mischung aus „Frohes Neues“ auf den Lippen und dem Gefühl, als hätte sich innen drin etwas abgesetzt, das nicht mehr richtig hochkommt. Als wäre meine Psyche nicht Stimmung, nicht Wetter, nicht „hat man halt mal“ – sondern ein Häufchen Kohlenstoff, das irgendwo liegt, wo eigentlich Leben sein sollte.

2025 hat mir nicht beigebracht, wie man stärker wird. 2025 hat mir gezeigt, wie schnell man wertlos werden kann, wenn man Gefühle hat.

Nicht in großen, dramatischen Szenen. Sondern in diesen stillen Momenten, in denen du merkst: Da wird nicht nur ein Fehler gemacht. Da wird entschieden, dass du keine Rolle spielst. Dass deine Grenzen Deko sind. Dass deine Ehrlichkeit Material ist, aus dem andere sich bauen, was ihnen gerade passt.

Beste Freunde – diese Kategorie, in die man Menschen einsortiert, weil man glaubt, dort sei man sicher – haben gespielt. Gelogen. Verarscht. Nicht aus Versehen, nicht einmal aus Dummheit, sondern so, dass es sich anfühlt wie eine kleine Operation ohne Betäubung: sauber, kalt, und mit dem Anspruch, du würdest es schon aushalten. Und das Erschreckende ist: Man hält es aus. Man funktioniert. Man sagt sich, das war bestimmt ein Missverständnis. Man sucht die Schuld bei sich, weil das einfacher ist als zu akzeptieren, dass jemand dich bewusst benutzt hat.

Und dann Familie. Dieses Wort, das wie ein Versprechen klingt, bis jemand daraus einen Parkplatz macht.

Da war jemand, der mir gezeigt hat, dass ich nicht als Mensch gesehen werden muss, um nützlich zu sein. Dass man auf mir stehen kann, ohne sich auch nur eine Sekunde zu fragen, wie sich das anfühlt. Dass ich gut genug bin, um Last zu tragen – aber nicht wichtig genug, um Rücksicht zu verdienen.

Es ist erstaunlich, wie leise so etwas passiert. Kein lauter Knall. Keine Schlagzeile. Nur ein Blick, ein Tonfall, eine Selbstverständlichkeit: Du bist da. Also nimmst du es. Also hältst du. Also störst du bitte nicht mit deinen Empfindlichkeiten.

Und als wäre das nicht genug, hat sich auch das aufgelöst, was man „Beziehung“ nennt, wenn man noch daran glaubt, dass Nähe bleibt, wenn es unbequem wird. Es ist nicht einmal immer ein Streit. Manchmal ist es einfach nur dieses langsame Wegdriften, bis du irgendwann merkst: Du bist der Einzige, der noch rudert. Du bist der Einzige, der noch fragt. Der Einzige, der noch hofft.

Und dann stehst du da, am Anfang von 2026, mit diesen typischen Sätzen um dich herum: „Dieses Jahr wird alles besser.“ „Neues Jahr, neues Glück.“ „Lass los.“

Als könnte man Dinge einfach ablegen wie eine Jacke.

Als wäre das, was Menschen dir antun, nur Ballast – und nicht etwas, das sich in deinem Körper festsetzt. In deinem Magen. In deiner Haltung. In diesem Reflex, schon bei kleinen Zeichen von Distanz innerlich auf Rückzug zu schalten, weil du gelernt hast: Das tut sonst wieder weh.

Und ich frage mich: Woher soll dieses „besser“ kommen?

Aus welcher Quelle?

Aus welchem Wunder?

Ich weiß nicht, ob 2026 besser wird. Ich kann es nicht behaupten, nur weil ein Kalenderblatt das will. Ich kann nicht so tun, als hätte ein Datum die Macht, Menschen plötzlich ehrlich zu machen. Loyal. Warm. Respektvoll.

Aber ich merke etwas anderes.

Ich merke, dass 2025 mir zwar gezeigt hat, wie wertlos man gemacht werden kann – aber auch, wie viel es kostet, sich daran zu gewöhnen.

Und vielleicht ist genau das der Punkt, an dem 2026 überhaupt eine Chance hat.

Nicht, weil die Welt plötzlich nett wird. Sondern weil ich langsam verstehe, dass „besser“ nicht bedeutet, dass mir nichts mehr passiert. Sondern dass ich anfange, anders zu reagieren, wenn es passiert.

Dass ich aufhöre, mich für jedes kaputte Verhalten anderer zu verbiegen.
Dass ich nicht mehr automatisch „Ich“ denke, wenn jemand „Du“ falsch behandelt.
Dass ich lerne, dass Nähe kein Preis ist, den man zahlt, indem man sich selbst kleiner macht.

Vielleicht wird 2026 nicht das Jahr, in dem alles gut wird.

Vielleicht wird es das Jahr, in dem ich aufhöre, mich dort hinzulegen, wo andere parken wollen.

Vielleicht wird es das Jahr, in dem ich nicht mehr jeden reinlasse, nur weil ich Angst vor Leere habe.
In dem ich nicht mehr um Plätze kämpfe, an denen ich nur geduldet werde.
In dem ich mich nicht mehr dafür entschuldige, dass ich fühle.

Ich habe Magenschmerzen. Ja.

Ich bin müde. Ja.

Und ich habe Dinge verloren, von denen ich dachte, sie würden bleiben.

Aber ich bin noch da.

Und vielleicht ist das die ehrlichste Form von Hoffnung, die ich gerade anbieten kann:
Nicht die laute Hoffnung mit Feuerwerk.
Sondern die stille Hoffnung, die sagt: Ich mache mich nicht mehr zur Ablagefläche für das, was andere nicht in sich tragen wollen.

2026 darf kommen.

Nicht als Versprechen.

Sondern als Raum.

Und ich werde sehen, was ich daraus mache.