Content-Note

Politik ist kein zentrales Thema dieses Blogs.
Ich schreibe hier nicht, um Lager zu bedienen, Programme zu bewerten oder Parteien gegeneinander aufzurechnen.

Dieser Text ist trotzdem entstanden,
weil es Momente gibt, in denen Schweigen bequemer wäre –
und genau deshalb falsch.

Es geht nicht um Tagespolitik.
Es geht um Auswirkungen.
Um das, was Entscheidungen mit Menschen machen, lange nachdem Pressekonferenzen vorbei sind.

Dieser Beitrag gehört hierher,
nicht weil ich politisch sein will,
sondern weil Menschlichkeit ohne Kontext schnell zur Floskel wird.


Die Schere liegt offen auf dem Tisch.
Jeder sieht sie.
Jeder weiß, dass sie schneidet.
Und trotzdem tut Politik so, als wäre sie ein Gerücht.

Man nennt sie „soziale Ungleichheit“.
Ein sauberes Wort für etwas, das längst blutet.

Die eine Seite wird schwerer.
Nicht durch Arbeit, sondern durch Besitz.
Die andere wird leichter.
Nicht durch Freiheit, sondern durch Wegfall.

Dazwischen steht Politik und spricht von Ausgleich.
Und richtet dabei mehr Schaden an, als sie eingesteht.

Man erinnere sich an Olaf Scholz.
Regieren als Verwaltung des Mangels.
Ruhig im Ton, korrekt im Auftreten,
aber unfähig, die Schere auch nur anzufassen.

Viel Beschwichtigung.
Viel „Das ist alternativlos“.
Und am Ende ein Land,
das sich ärmer fühlt, obwohl die Zahlen angeblich stabil sind.

Und nun Friedrich Merz.
Der Mann der Klarheit.
Der Mann der Wirtschaft.
Der Mann, der Fortschritt verspricht
und dabei vor allem eines liefert:
mehr Druck nach unten.

Es ist kein Fortschritt,
wenn Entlastung oben beginnt
und Verantwortung unten endet.

Es ist auch kein Zufall.
Politik hört längst besser auf Kapital als auf Alltag.
Sie spricht von Leistung
und meint Belastbarkeit.
Sie spricht von Freiheit
und meint Marktfreiheit –
nicht Lebensfreiheit.

Die Schere wächst nicht aus Versehen.
Sie wächst, weil Entscheidungen sie wachsen lassen.
Weil Nicht-Entscheidungen genauso wirken wie falsche.

Man könnte sie schließen.
Man müsste nur akzeptieren,
dass Gerechtigkeit Geld kostet
und Bequemlichkeit Macht erhält.

Doch stattdessen wird erklärt, moderiert, vertagt.
Und wer unten steht, soll Geduld haben.
Wer oben sitzt, nennt das Vernunft.

Vielleicht ist das eigentliche Problem
nicht diese oder jene Regierung.
Sondern dass wir uns daran gewöhnt haben,
Schaden als Kollateraleffekt zu akzeptieren.

Die Schere liegt weiter auf dem Tisch.
Sie schneidet jeden Tag ein Stück mehr.
Und niemand will sie halten —
weil man sich dabei entscheiden müsste.