Großer Abstand
Es gibt Menschen, die reden nicht mit dir. Sie reden über dich. Als wären sie die Hausverwaltung deines Lebens. Als hätten sie irgendeinen Schlüssel, den du nie verteilt hast
Sie nennen dich „Taugenix“, weil sie nur zwei Kategorien kennen: nützlich oder nervig. Und wer nicht in ihre Schublade passt, wird eben passend gemacht – mit Etiketten, die sie selbst geschrieben haben.
Ich kenne diese Stimmen. Dieses „Bisschen dumm“, dieses „gut für nix“, dieses „mach doch mal was Richtiges“. Es klingt immer nach Ratschlag, aber es ist eigentlich nur Kontrolle mit höflicher Maske.
Und irgendwann passiert etwas Seltsames: Du merkst, dass du nicht mehr diskutieren willst. Nicht, weil du keine Argumente hast. Sondern weil du verstanden hast, dass hier gar kein Gespräch stattfindet.
Du schuldest niemandem die Erlaubnis, du selbst zu sein.
Manche Menschen können nicht ertragen, wenn du deinen eigenen Weg gehst. Nicht, weil er falsch ist – sondern weil er ihnen zeigt, dass sie selbst stehen geblieben sind.
Dann kommen die Regeln. Die Listen. Das „Das darf man nicht“. Das „So macht man das nicht“. Als gäbe es eine DIN-Norm für Träume. Als wäre Freiheit nur ein Formular, das man abstempeln lassen muss.
Aber mein Leben ist kein Antrag. Mein Kopf ist kein Parkplatz für fremde Meinungen. Und meine Richtung ist kein Thema, über das man abstimmen kann.
Ich will nicht „Pferde stehlen“ – ich will einfach nur laufen, ohne dass mir jemand ständig ans Bein greift. Ich will Dinge ausprobieren, Fehler machen, lernen, wieder aufstehen. Nicht, um jemandem zu gefallen. Sondern, weil es meins ist.
Und ja: Es gibt Menschen, die lösen in mir sofort diesen Reflex aus – Abstand. Nicht aus Arroganz. Nicht aus Drama. Sondern aus Selbstschutz.
Wenn du mich fragst, was ich von dir halte, dann ist die ehrlichste Antwort manchmal keine Meinung, sondern ein Maßband.
Einen großen Abstand.
Denn es gibt Leute, die reden so viel Müll, dass du irgendwann merkst: Das Problem ist nicht, dass sie anderer Meinung sind. Das Problem ist, dass sie das Denken mit Lautstärke verwechseln.
Und ich? Ich entscheide mich dann nicht für Streit. Ich entscheide mich für Stille. Für Abstand. Für diese klare Linie im Kopf, die sagt: „Nicht jeder verdient Zugang.“
Es ist kein Hass. Es ist Hygiene. Es ist der Moment, in dem du aufhörst, dich zu erklären – und anfängst, dich zu führen.
Du kannst mir nicht verbieten, mein Ding zu machen. Du kannst es kommentieren. Du kannst dich darüber lustig machen. Du kannst mit den Augen rollen, bis dir schwindelig wird.
Aber während du redest, gehe ich weiter. Schritt für Schritt, ohne deine Zustimmung. Und wenn du unbedingt ein letztes Wort willst: Bitte. Ich habe längst ein letztes Gefühl gewählt.
Freiheit.