Man kann zwei Pizzen aufeinanderlegen und hat danach zwei Pizzen.
Etwas verrutscht vielleicht, der Käse klebt, aber jeder erkennt noch: das hier sind zwei.

Legt man jedoch eine Lasagne auf eine andere Lasagne, passiert etwas Merkwürdiges.
Niemand zählt mehr. Niemand trennt sauber.
Es wird nicht „zwei“, es wird mehr – eine größere Lasagne, dichter, schwerer, komplexer.

Und genau da beginnt der Gedanke.

Unsere Gesellschaft behandelt Menschen gern wie Pizzen.
Abgeschlossen. Flach beschrieben. Sauber getrennt.
Alter. Beruf. Herkunft. Meinung. Ein Etikett pro Scheibe.

Du neben mir. Ich neben dir.
Zwei Leben, zwei Geschichten, fein säuberlich gestapelt, aber bitte nicht vermischt.

Doch so funktionieren Menschen nicht.

Menschen sind eher wie Lasagne.
Schichten aus Erfahrungen, Verletzungen, Prägungen, Hoffnungen.
Kindheit auf Kindheit. Angst auf Angst. Liebe auf Liebe.
Manches sichtbar, vieles verborgen, alles miteinander verbunden.

Wenn zwei Menschen sich wirklich begegnen, passiert kein „zwei bleiben zwei“.
Dann verschiebt sich etwas.
Dann sickert eine Geschichte in die andere.
Dann verändert Nähe die Struktur.

Man kann das nicht zählen.
Man kann das nicht sauber trennen.
Man kann danach nicht mehr sagen, was vorher wo war.

Vielleicht ist das der Grund, warum wir Distanz so mögen.
Warum Kategorien beruhigen.
Warum wir lieber stapeln als vermengen.

Denn echte Nähe macht aus klaren Einheiten etwas Unübersichtliches.
Etwas Gemeinsames.
Etwas, das Verantwortung trägt.

Und vielleicht ist genau das Menschsein:
Nicht nebeneinander zu liegen wie zwei Pizzen,
sondern den Mut zu haben, sich schichtenweise zu begegnen –
wissend, dass man danach nicht mehr exakt derselbe ist.

Mehr nicht.
Aber auch nichts weniger.