Wenn Aufgeben leiser klingt, als es ist
Eine Geschichte über innere Kündigung, stille Erschöpfung und den Mut, nicht nur zu bleiben – sondern sich selbst treu zu bleiben.
Die Szene
Morgens.
Der Wecker klingelt.
Du stehst auf – nicht, weil du willst,
sondern weil du musst.
Die Kaffeemaschine brummt,
das Gesicht im Spiegel ist wach,
aber der Blick – leer.
Du ziehst dich an,
du funktionierst.
Niemand merkt, dass du innerlich längst aufgehört hast,
da zu sein.
Das ist keine Faulheit.
Das ist keine Schwäche.
Das ist die innere Kündigung –
und sie beginnt nicht an dem Tag,
an dem du aufhörst zu arbeiten.
Sondern an dem,
an dem du aufhörst, etwas zu fühlen.
Wie man still geht, obwohl man bleibt
Die innere Kündigung ist kein Knall.
Sie ist ein leises, tägliches Verblassen.
Du sitzt in Meetings, nickst,
machst, was nötig ist.
Aber innerlich bist du längst woanders –
irgendwo zwischen „es bringt eh nichts“
und „vielleicht bin ich ja das Problem“.
Man nennt es Resignation.
Ich nenne es:
eine Schutzreaktion,
die zu lange bleibt.
Denn irgendwann hast du aufgehört, dich zu ärgern.
Dann hast du aufgehört, zu hoffen.
Und am Ende –
hörst du auf, dich zu spüren.
Warum das gefährlich ist
Resignation fühlt sich an wie Ruhe.
Aber sie ist Erschöpfung, verkleidet als Gelassenheit.
Sie klingt nach:
„Ich nehme es, wie es ist.“
Aber sie meint:
„Ich habe längst aufgegeben, zu glauben, dass es anders sein könnte.“
Das ist nicht Frieden.
Das ist Selbstaufgabe im Stillstand.
Wer innerlich kündigt,
verliert nicht nur Motivation,
sondern auch ein Stück Identität.
Weil wir uns nicht mehr als Gestalter unseres Lebens erleben –
sondern als bloße Statisten im eigenen Alltag.
Das Missverständnis
Manchmal glauben wir,
Ruhe hieße, keine Wut mehr zu haben.
Aber Gelassenheit ist nicht Gleichgültigkeit.
Und Annahme ist nicht Resignation.
Annehmen heißt:
Ich erkenne an, was ist –
und bleibe trotzdem fähig, etwas zu verändern.
Resignieren heißt:
Ich erkenne an, was ist –
und lasse mich davon bestimmen.
Der Unterschied ist leise,
aber entscheidend.
Der Mut zur Grenze
Es braucht Mut, zu bleiben.
Aber manchmal noch mehr,
um zu gehen.
Zu kündigen –
nicht als Flucht,
sondern als Entscheidung.
Ein aktives Nein,
damit wieder Platz für ein Ja entsteht.
„Aktives Aufgeben“,.
Und es ist das Gegenteil von Schwäche.
Denn wer innerlich gekündigt hat,
ist längst nicht mehr frei.
Er ist gebunden an den Zustand,
den er eigentlich loswerden wollte.
Die Wahrheit, die bleibt
Wir alle kennen sie, diese Tage:
an denen uns die Arbeit klein macht,
die Gespräche mechanisch klingen,
und wir auf Autopilot leben.
Aber irgendwann müssen wir uns fragen:
Nehme ich mich selbst noch ernst?
Meine Bedürfnisse, meine Grenzen,
mein eigenes Leben?
Die Antwort darauf entscheidet,
ob du dich irgendwann wieder auf dich selbst verlassen kannst.
Sanfte Erinnerung
Resignation ist keine Ruhe.
Sie ist das Verstummen der Hoffnung.
Doch Hoffnung ist kein Luxus.
Sie ist das,
was dich wieder lebendig macht.
Und wenn du heute nichts ändern kannst –
dann fang damit an,
wieder hinzuspüren,
was du vermisst.
Denn das ist der erste Schritt,
nicht mehr nur zu funktionieren.
Fußnote an mich selbst
Ich will nicht nur durchhalten.
Ich will leben.
Auch, wenn das heißt,
mich neu zu erfinden –
statt still zu bleiben,
wo nichts mehr wächst.