Es gibt Sonntage, an denen nichts spektakulär schiefgeht.
Kein Drama, kein großer Bruch, keine Geschichte, die man später erzählen könnte.
Nur ein Himmel, der so grau ist, als hätte er beschlossen, heute einfach nicht mehr mitzumachen.

Drinnen ist vieles da, was man „Genug“ nennen könnte.

Vielleicht bist du allein auf der Couch.
Vielleicht ist da jemand, mit dem du dein Leben teilst.
Vielleicht laufen Stimmen durch die Wohnung, vielleicht ist es still.
Eine Decke, ein Bildschirm, ein halb leerer Becher, der vertraute Blick durch den Raum.

Von außen betrachtet ist dieser Sonntag okay.
Nicht glänzend, nicht katastrophal.
Einfach ein Tag, an dem man durchatmen könnte.

Und trotzdem ist da dieses Etwas.

Nicht laut.
Nicht deutlich.
Mehr wie ein leises Ziehen an einer Stelle, für die man kein eindeutiges Wort hat.

Es ist nicht unbedingt Einsamkeit.
Selbst dann nicht, wenn du gerade allein bist.
Und es ist auch keine klassische Unzufriedenheit, wenn jemand da ist.
Es fühlt sich eher an wie eine minimale Verschiebung:
Als wäre dein Leben einen halben Zentimeter neben dir abgelegt.

Du machst die typischen Sonntagsdinge.
Scrollst.
Zappst.
Starrst irgendwohin.
Denkst daran, dass man „auch mal rausgehen“ könnte,
ohne wirklich aufzustehen.

Und zwischendrin taucht dieser Gedanke auf:
Eigentlich müsste sich das besser anfühlen.

Vielleicht gibt es jemanden, den du gern näher hättest,
körperlich oder einfach im Gespräch.
Vielleicht gäbe es da gerade niemanden, und genau das schmerzt.
Vielleicht wäre dir schon geholfen, wenn jemand sich neben dich setzt,
oder wenn du dich selbst neben dich setzen könntest – wirklich anwesend, nicht im Kopf schon wieder woanders.

Wir haben viele Worte für klare Zustände.
Für „verliebt“, „getrennt“, „überfordert“, „allein“.
Für das Dazwischen ist es oft still.

Wie nennt man einen Sonntag,
an dem alles irgendwie da ist –
Zeit, Decke, Ruhe, vielleicht auch Menschen –
und trotzdem fehlt etwas, das man nicht anfassen kann?

Es wäre leicht, sich selbst Vorwürfe zu machen.
„Stell dich nicht so an.“
„Andere wären froh, das hier zu haben.“
„Du hast doch keinen Grund, so zu fühlen.“

Genau diese Sätze machen das Loch tiefer.
Sie reden dir aus, was sich meldet.

Vielleicht braucht dieser graue, eiskalte Sonntag etwas anderes.
Keinen Plan.
Kein „Ab morgen mache ich…“.
Sondern die Erlaubnis, dass dieses diffuse Fehlen einfach da sein darf.

Du liegst unter der Decke.
Vielleicht mit jemandem, vielleicht allein.
Du spürst die Wärme – und gleichzeitig die Lücke.

Und statt sie wegzudrücken, nimmst du sie für einen Moment ernst.
Nicht, um sie zu analysieren,
sondern um dir selbst nicht länger zu erzählen,
dass du sie nicht fühlen darfst, weil auf dem Papier alles stimmt.

Vielleicht ist das der unspektakulärste,
aber ehrlichste Schritt an so einem Sonntag:

Dir einzugestehen,
dass du in deinem eigenen Leben manchmal fehlst –
und dass genau dieses Eingeständnis der Anfang davon sein kann,
wieder ein Stück näher bei dir anzukommen.

Der Himmel bleibt grau.
Die Kälte bleibt.
Aber du hörst auf, sie mit dir zu verwechseln.

Kein Happy End.
Nur ein bisschen mehr Wahrheit unter der Decke.