Der Euro im Einkaufswagen.
Manchmal höre ich Menschen sagen: „Früher brauchte man keinen Euro für den Einkaufswagen.“
Ich lächle dann.
Nicht, weil sie unrecht hätten. Sondern weil es nie um den Euro ging.
Der Euro – oder heute oft einfach ein Einkaufschip – ist kein Preis. Er ist eine kleine Erinnerung. Eine Erinnerung daran, den Wagen wieder dorthin zu bringen, wo ihn auch der Nächste finden kann. Es geht nicht ums Bezahlen. Es geht um Rücksicht.
Heute sagte eine Dame zu mir: „Während Corona waren die Wagen doch auch nicht abgeschlossen.“
Das stimmt.
Damals blieben die Ketten vielerorts geöffnet. Man wollte vermeiden, dass unzählige Menschen die selbe Kette und den selbigen Chip Mechanismus berühren mussten. Das war eine Maßnahme für eine besondere Zeit.
Doch diese Zeit ist vorbei.
Heute stehen bei unserem Aldi neue Einkaufswagen. Natürlich achtet das Unternehmen darauf, dass diese Wagen nicht nach und nach verschwinden. Deshalb sind sie wieder mit einem Chip- oder Münzsystem gesichert. Nicht, weil man den Menschen misstraut oder ihnen einen Euro abnehmen möchte. Sondern weil Erfahrung zeigt, dass manches eben doch Beine bekommt, wenn es nicht gesichert ist.
Vielleicht ist das im Leben öfter so.
Wir sehen den Einkaufschip, aber nicht den Gedanken dahinter.
Ein paar Schritte weiter bildet sich eine Schlange an der Kasse. Noch bevor sie richtig lang geworden ist, wird schon gemurmelt.
„Warum macht denn keiner eine zweite Kasse auf,, -- auffällig dort, es sind meist die, die im Laden mit anderen tötterten und 5 Minuten jeweils vor 10 Regalen standen.
Draußen scheint die Sonne. Es ist Ferienzeit. Vielleicht fehlt heute jemand, weil er mit den Kindern Urlaub macht. Vielleicht genießt eine Verkäuferin nach Monaten endlich ein paar freie Tage. Vielleicht arbeitet das Team heute einfach mit den Menschen, die da sind.
Auch sie haben ein Recht auf Erholung.
Auch sie dürfen den Sommer genießen.
Und wir?
Wir stehen ein paar Minuten länger zwischen Obst, Brot und Milch, eigentlich gar nicht so ungemütlich, im klimatisierten Raum.
Vielleicht müssen wir gar nicht immer schneller sein.
Vielleicht dürfen wir den Stress dort lassen, wo er entstanden ist – im Büro, im Straßenverkehr oder in unseren eigenen Gedanken. Nicht im Supermarkt. Nicht bei den Menschen, die gerade ihren Job machen.
Manchmal reicht es, den Einkaufswagen zurückzubringen, freundlich zu lächeln und sich daran zu erinnern, dass Ruhe & Geduld niemandem schadet.
Denn Rücksicht kostet keinen Einkaufschip.
Und Gelassenheit muss man nicht wechseln.