Es gibt Dämonen, die kommen nicht nachts aus dunklen Ecken. Sie tragen keine Hörner, kratzen nicht an Türen und stehen nicht am Fußende des Bettes. Manche Dämonen sitzen viel näher. Im Kopf. In der Brust. Zwischen zwei Gedanken. In der Sekunde, bevor man antwortet. In dem Moment, in dem ein Kind schreit. In der Minute, bevor man etwas erklären soll, das man eigentlich verstanden hat. Sie kommen nicht mit Feuer. Sie kommen mit Fragen. Und manchmal sind Fragen schlimmer als Feuer.
Die Dämonen, die keinen Namen tragen
Die andere Seite der Wand
Entstanden ist dieser Text mit einer alten Arbeitskollegin. Sie hat beide Seiten kennengelernt.
Die eine: Sie selbst hat sich geritzt. Jahrelang. Die Narben an ihren Armen sind ein Alphabet, das sie mir irgendwann erklärt hat – nicht mit Worten, sondern mit der Stille zwischen den Sätzen.
Feigheit ist keine Antwort:
Es gibt Fragen, die fast niemand laut stellt. Und wenn sie gestellt werden, dann meistens mit einer Antwort, die schon feststeht, bevor die Fragen zu Ende sind.
Die Sache mit der Dunkelheit
Es gibt Menschen, bei denen merkt man erst einmal gar nichts.
Sie stehen morgens auf. Sie gehen arbeiten. Sie kaufen ein. Sie antworten auf Nachrichten. Sie lachen, wenn etwas lustig ist.
Von außen läuft alles.
Und trotzdem gibt es Tage, an denen irgendetwas anders ist.
Nicht unbedingt sichtbar. Nicht dramatisch. Kein Zusammenbruch, keine große Szene.
Eher wie eine Wetterlage, die sich über einen Menschen legt.
Es ist einfach dunkler als sonst.
Wenn Ablenkung kippt
Ablenkung hat einen guten Ruf, weil sie sofort wirkt.
Man kennt das: Der Kopf ist voll, der Tag hat Kanten, innen zieht etwas. Und dann reicht ein kleiner Griff – ans Handy, an den nächsten Tab, an irgendein Video, an „nur kurz“ irgendwas – und für ein paar Minuten wird es leichter. Nicht gelöst. Aber leiser.
Wenn die Leere einen wieder einholt
Es gibt Tage, da ist nichts passiert, was man „Grund“ nennen würde. Kein Streit. Keine schlechte Nachricht. Keine Katastrophe.
Der Jahreswechsel kommt diesmal nicht mit Glitzer. Er kommt mit Magenschmerzen.
Und mit dieser seltsamen Mischung aus „Frohes Neues“ auf den Lippen und dem Gefühl, als hätte sich innen drin etwas abgesetzt, das nicht mehr richtig hochkommt. Als wäre meine Psyche nicht Stimmung, nicht Wetter, nicht „hat man halt mal“ – sondern ein Häufchen Kohlenstoff, das irgendwo liegt, wo eigentlich Leben sein sollte.
Wenn der Knall nicht mehr nur Knall ist
Es gibt Geräusche, die gehören zu einem Datum.
Und es gibt Geräusche, die fressen sich in ein Jahr.
Jahresabschluss 2025: Als mein Akku nicht mehr „nur leer“ war
Manchmal ist ein Jahr kein Kalender.
Sondern ein Zustand.
Nicht jede Krise zeigt sich im Fallen. Manche zeigt sich darin, dass nichts passiert – über Jahre.
Content Note: Es geht um wiederkehrende Muster, ausbleibende Veränderung und die Frage nach Verantwortung – in Beziehungen, im Alltag und im eigenen Leben.