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Marcus Dziersan

Nachdenkliche Texte über Wahrnehmung, Menschlichkeit und das Unausgesprochene. Ein stiller Ort für Gedanken, die keinen Zweck erfüllen müssen.

Geschichten statt Kategorien Vatersein Menschen Gesellschaft Das Leben dazwischen

Manchmal wäre weniger Recht einfach mehr Familie

Es gibt diese Tage, an denen Familie eigentlich einfach Familie sein sollte. Ein Geburtstag zum Beispiel. Jemand wird ein Jahr älter, irgendwo steht ein Kuchen auf dem Tisch, Kaffee wird eingeschenkt, vielleicht sitzen Menschen zusammen, die sich sonst viel zu selten sehen, und eigentlich könnte das für ein paar Stunden vollkommen ausreichen. Oder Weihnachten. Dieses Fest, bei dem jedes Jahr wieder von Ruhe, Besinnlichkeit, Zusammenhalt und Frieden gesprochen wird, während wahrscheinlich in mindestens genauso vielen Wohnzimmern alte Geschichten wieder ausgepackt werden. Und dann gibt es noch Beerdigungen. Tage, an denen man eigentlich glauben könnte, dass alles andere für einen Moment unwichtig wird, weil da gerade jemand fehlt, der gestern noch Teil dieser Familie war. Eigentlich.

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Wieso, Weshalb, Warum?

Ich frage selbst ständig warum. Warum funktioniert etwas so? Warum macht dieses System genau dort einen Fehler? Warum verhalten Menschen sich auf eine bestimmte Weise? Warum akzeptieren wir Regeln, nur weil sie irgendwann einmal jemand aufgeschrieben hat? Warum soll etwas richtig sein, nur weil man es schon immer so gemacht hat? „Ist halt so“ gehört wahrscheinlich zu den Antworten, mit denen man mich am zuverlässigsten unzufrieden machen kann.

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Wenn ein Lehrbuch wichtiger ist als der Mensch an sich.

Es gibt eine Uhrzeit, zu der gute Eltern ihre Kinder ins Bett bringen.

Offenbar.

19 Uhr.

Vielleicht 19:15 Uhr, wenn man besonders großzügig ist.

Dann wird das Licht ausgeschaltet, das Kind schläft selbstverständlich friedlich zehn oder zwölf Stunden durch und wacht am nächsten Morgen ausgeschlafen, gut gelaunt und selbstverständlich exakt dann auf, wenn der gesellschaftliche Tagesplan es vorsieht.

So zumindest scheint manchmal die Theorie auszusehen.

Die Praxis heißt bei mir Sam.

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Konsequenzen sind nicht lieblos

Mein Sohn spielt mit seinen Autos.

Ganz normal eigentlich.

Papa war nett und hat zwei LKW rausgegeben.

Einen Müllwagen mit Kipp- und Entleerfunktion.

Und eine Kehrmaschine mit Kippfunktion.

Zwei Fahrzeuge, bei denen man natürlich genau das machen kann, was Kinder gerne machen:

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Mein Kind kann. Manchmal will es einfach nicht.

Ich habe diesen Satz gelesen:

„Mein Kind will nicht nicht.
Mein Kind kann gerade nicht.“

Und je öfter ich ihn gelesen habe, desto mehr dachte ich:

Nein.

Zumindest nicht immer.

Denn ich kenne mein Kind.

Und mein Sohn kann erstaunlich viel nicht, wenn er gerade keine Lust darauf hat.

Komischerweise kann er fünf Minuten später ziemlich genau dasselbe hervorragend, wenn es plötzlich um etwas geht, das er selbst möchte.

Vielleicht bin ich damit heute schon der verstaubte Papa.

Der Papa mit der alten Erziehung.

Der Papa, bei dem ein Nein tatsächlich noch Nein bedeutet.

Damit kann ich leben.

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Der Mann, der blieb

Er saß im Sand, die Hände voller Förmchen, als wäre dies, das Normalste der Welt. Zwei Kinder um ihn herum, eines lachend, das andere mit diesem ernsten Blick, den nur Kinder haben, wenn sie etwas wirklich wichtig finden.

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Die Adresse, die kein Zuhause ist

Ich wohne in einem Land. In einem Bundesland. In einer Stadt. In einem Ortsteil. In einer Straße. In einem Haus. In einer Wohnung.

Ich könnte es dir genau sagen. Postleitzahl. Stockwerk. Türklingel mit meinem Namen drauf. Alles da. Alles richtig.

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Der, der fremdgegangen ist

Über Untreue wird schnell gesprochen.
Und noch schneller geurteilt.

Es gibt klare Rollen:
Hier das Opfer.
Dort der Täter.

Die Geschichte scheint einfach.
Aber Menschen sind es selten.

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