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Marcus Dziersan

Nachdenkliche Texte über Wahrnehmung, Menschlichkeit und das Unausgesprochene. Ein stiller Ort für Gedanken, die keinen Zweck erfüllen müssen.

Geschichten statt Kategorien Vatersein Menschen Gesellschaft Das Leben dazwischen

Wenn der rote Faden plötzlich ich selbst bin.

Ich habe meinen Blog irgendwann „Der rote Faden“ genannt. Nicht den ganzen Blog, sondern eine Seite darin. Eine Orientierung. Eine Möglichkeit, all die Texte irgendwie zu sortieren: Vatersein, Beziehungen, Alltag, Gesellschaft, Technik, Psyche, Selbstfürsorge, Selbstreflexion. Schöne Kästchen. Sauber getrennt. Fast ein bisschen so, wie man Daten in einem System sortiert.

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Wenn andere deine Ziele schon beerdigt haben

Es gibt Menschen, die wissen ziemlich genau, was man kann.

– Zumindest glauben sie das. –

Sie kennen einen Ausschnitt aus deinem Leben. Vielleicht einen Fehler. Vielleicht etwas, das nicht funktioniert hat. Vielleicht einen Weg, der länger dauert als geplant.

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Die Dämonen, die keinen Namen tragen

Es gibt Dämonen, die kommen nicht nachts aus dunklen Ecken. Sie tragen keine Hörner, kratzen nicht an Türen und stehen nicht am Fußende des Bettes. Manche Dämonen sitzen viel näher. Im Kopf. In der Brust. Zwischen zwei Gedanken. In der Sekunde, bevor man antwortet. In dem Moment, in dem ein Kind schreit. In der Minute, bevor man etwas erklären soll, das man eigentlich verstanden hat. Sie kommen nicht mit Feuer. Sie kommen mit Fragen. Und manchmal sind Fragen schlimmer als Feuer.

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Wer bist du, wenn niemand zusieht?

Stell dir vor, du stehst eines Tages nicht vor einem Spiegel, sondern vor dir selbst.

Nicht vor deinem Gesicht, nicht vor deinem Namen, nicht vor deiner Kleidung, deinem Beruf, deiner Familie, deiner Meinung oder dem Bild, das andere von dir haben. Sondern vor dem Menschen darunter. Vor dem, der übrig bleibt, wenn keiner klatscht, wenn keiner fragt, wenn keiner etwas von dir erwartet und wenn du einmal nicht funktionieren, gefallen, beweisen oder erklären musst.

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Die andere Seite der Wand

Entstanden ist dieser Text mit einer alten Arbeitskollegin. Sie hat beide Seiten kennengelernt.

Die eine: Sie selbst hat sich geritzt. Jahrelang. Die Narben an ihren Armen sind ein Alphabet, das sie mir irgendwann erklärt hat – nicht mit Worten, sondern mit der Stille zwischen den Sätzen.

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Feigheit ist keine Antwort:

Es gibt Fragen, die fast niemand laut stellt. Und wenn sie gestellt werden, dann meistens mit einer Antwort, die schon feststeht, bevor die Fragen zu Ende sind.

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Die Sache mit der Dunkelheit

Es gibt Menschen, bei denen merkt man erst einmal gar nichts.

Sie stehen morgens auf. Sie gehen arbeiten. Sie kaufen ein. Sie antworten auf Nachrichten. Sie lachen, wenn etwas lustig ist.

Von außen läuft alles.

Und trotzdem gibt es Tage, an denen irgendetwas anders ist.

Nicht unbedingt sichtbar. Nicht dramatisch. Kein Zusammenbruch, keine große Szene.

Eher wie eine Wetterlage, die sich über einen Menschen legt.

Es ist einfach dunkler als sonst.

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Die Adresse, die kein Zuhause ist

Ich wohne in einem Land. In einem Bundesland. In einer Stadt. In einem Ortsteil. In einer Straße. In einem Haus. In einer Wohnung.

Ich könnte es dir genau sagen. Postleitzahl. Stockwerk. Türklingel mit meinem Namen drauf. Alles da. Alles richtig.

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