Mein Sohn spielt mit seinen Autos.

Ganz normal eigentlich.

Papa war nett und hat zwei LKW rausgegeben.

Einen Müllwagen mit Kipp- und Entleerfunktion.

Und eine Kehrmaschine mit Kippfunktion.

Zwei Fahrzeuge, bei denen man natürlich genau das machen kann, was Kinder gerne machen:

drücken.
kippen.
ausprobieren.
und irgendwann eben auch zu weit biegen.

Genau da liegt das Problem.

Denn mein Sohn liebt es, diese Kippelemente so lange zu verbiegen, bis sie irgendwann kaputt sind.

Nicht aus Versehen.

Nicht einmal.

Sondern immer wieder.

Drei Ansagen

Also kam die erste Ansage.

Ganz normal.

„Lass das bitte.“

Weitergespielt.

Dann die zweite Ansage.

Bestimmter.

„Ich habe gesagt, lass das.“

Weitergebogen.

Dann die dritte Ansage.

Laut.

Und mit Konsequenz.

„Jetzt sind die LKW weg.“

Natürlich kam das volle Programm

Nein.

Bitte nicht.

Heulen.

Diskutieren.

Und am Ende noch der Klassiker:

„Dann spiele ich eben gar nicht mehr.“

Kann man machen.

Ich habe die LKW trotzdem weggenommen.

Denn was wäre denn die Alternative gewesen?

Noch eine vierte Erklärung?

Noch eine fünfte Chance?

Noch eine sechste Ansage?

Irgendwann ist der Punkt erreicht, an dem ein Kind nicht mehr testet, ob es verstanden hat.

Dann testet es, ob die Ansage wirklich gilt.

Und genau da bin ich ziemlich einfach gestrickt.

Wenn ich drei Mal sage, dass etwas nicht kaputtgebogen werden soll, dann ist beim dritten Mal nicht plötzlich Verhandlungsbeginn.

Dann ist die Konsequenz da.

Und dann war plötzlich wieder Ruhe

Ich bin raus auf den Balkon.

Kein großes Nachgespräch.

Keine halbe Stunde Analyse über Gefühle.

Kein Vortrag darüber, warum Müllwagen Geld kosten und Plastik irgendwann bricht.

Einfach Ruhe.

Und was macht das Kind?

Spielt wieder.

Friedlich.

Mit seinen anderen Autos.

Kein Weltuntergang.

Keine zerstörte Bindung.

Kein Drama mehr.

Die LKW waren weg.

Die Grenze war da.

Das Spiel ging weiter.

Ich muss nicht jedes Gefühl reparieren

Und genau deshalb glaube ich, dass Konsequenzen manchmal viel kleiner sind, als wir Erwachsenen sie machen.

Ein Kind darf traurig sein.

Es darf bockig sein.

Es darf sagen:

„Dann spiele ich nicht mehr.“

Das muss ich nicht sofort reparieren.

Ich muss nicht hinterherrennen und sagen:

„Doch, bitte spiel weiter, Papa meint es doch gar nicht so.“

Denn dann wäre die Konsequenz schon wieder wertlos.

Konsequenz ist für mich keine Strafe

Für mich bedeutet Konsequenz nicht:

Strafe.

Es bedeutet:

Auf eine Handlung folgt etwas.

Wenn du mit etwas so umgehst, dass es kaputtgeht, obwohl du mehrfach gewarnt wurdest, dann ist dieses Spielzeug für den Moment weg.

Nicht aus Bosheit.

Nicht weil Papa gewinnen muss.

Sondern weil Dinge einen Wert haben.

Weil Regeln einen Sinn haben.

Und weil ein Nein irgendwann auch gelten muss.

Dann bin ich eben wieder der verstaubte Papa

Vielleicht bin ich damit wieder der alte, verstaubte Papa.

Kann sein.

Aber ich finde, Kinder dürfen lernen, dass nicht jede Grenze durch Weinen, Bitten oder Bockigkeit verschwindet.

Und sie dürfen genauso lernen:

Papa nimmt dir die LKW weg.

Papa ist genervt.

Papa geht auf den Balkon.

Und fünf Minuten später ist die Welt trotzdem noch da.

Das ist vielleicht sogar eine ziemlich wichtige Erfahrung.

Nicht jede Konsequenz ist eine Katastrophe.

Manchmal ist sie einfach nur das Ende eines Machtkampfs.

Und danach kann man wieder spielen.